Tram Zürich West und Stadtautobahn

28 Februar 2007 von Matthias Kommentieren »

Es ist soweit, nach kurzen Debatten in geimeinderätlicher Sache um Allmende und Steckdosen im Ratssaal, wird das Tram Zürich West und die SN141 im Gemeinderat behandelt. Wir müssen die Weisung 72 die einen Kredit und einen Gestaltungsplan für den Bau des Trams und der SN141 vorsieht bewilligen.

die Gemüter sind gespalten, das Projekt in seiner Gesamtheit umstritten, es wird aber dem Anschein nach grossmehrheitlich überwiesen. Die Grüne Fraktion stimmt der Weisung ohne Bas und mir zu. Wir streiten zusammen mit der AL einzelnen SP’s und Teilen der CVP dagegen.

Es getraut sich kaum eine Fraktion gegen ein ÖV-Projekt anzutreten. Leider, denn das Tram Zürich West hätte es schon verdient, etwas näher hinzuschauen. Das Tram ist eigentlich ein Abfallprodukt aus der missratenen Stadionplanung. Es führt nicht am Bahnhof Hardbrücke vorbei und es bestehen keine Kapazitäten. Eigentlich dringend wäre ein Tram über die Bahngleise (Verlängerung der Linie 8 über die Hardbrücke). Die wirklich grosse Kröte ist aber die Stadtautobahn, welche gleichzeitig gebaut werden soll. Eine Autobahn über die Pfingstweidstrasse bis hin zur Hardbrücke. Eine zweite Schwammedingenautobahn also, die als tiefe Narbe bis mitten in die Stadt hinein führen wird.

Der Rat überweist die Vorlage unter Namensaufruf.

Werbung

4 Kommentare

  1. David Herren sagt:

    Ich habe immer gedacht, dass auf einer Autobahn mindestes 80 gefahren werden muss. Auf der neuen Pfingstweidstrasse wird der Verkehr aber auf 50 (Innerortstempo) gedrosselt und extrem aufgewertet werden. Die Narbe ist HEUTE vorhanden und nach dem Umbau wird die Strasse endlich in einer anständigen und angenehmeren Form daherkommen (viel grüner).
    Die baldige Eröffnung des Üetlibergtunnels wird auch Entlastung bringen in der Stadt. Für das wird er schliesslich gebaut. Also nix mit Autobahn in der Stadt.
    Es ist ein absoluter Fehlglaube, wenn man das Gefühl hat, dass die beiden Projekte (Tram und Pfingstweidstrasse) einzeln behandelt und gebaut werden sollten. Die beiden Projekte greifen ineinander, und das liegt in der Natur von solchen Bauprojekten (will heissen, es geht gar nicht anders). Lieber jetzt beides koordiniert und relativ günstig umsetzen, wie noch lange auf die Verbesserungen im Quartier warten zu müssen (was ja Dank unserer lahmen Politik noch weitere Jahrzehnte gehen könnte). Packt man die Projekte einzeln an, sind Doppelspurigkeiten beim Bau vorprogrammiert, es entstehen unendlich dauernde Bauarbeiten und das Ganze ist zum Schluss ein Flickwerk und kostet den Steuerzahler einiges mehr (nur schon wegen dem Verfallsdatum der Bundesgelder, wenn nicht bis 2008 gebaut wird).
    Werden beide Vorhaben nun endlich umgesetzt, sind zwar viele Parteimitglieder entnervt (die einen wegen dem Tram, die andern wegen der Strasse), aber das kann die Zürcher Stadtbevölkerung getrost in Kauf nehmen, weil wir endlich das bekommen, was wir wollen: Einen lebenswerteres Quartier im Bereich der Pfingstweidstrasse.
    Klar könnte die Linienführung optimaler sein, aber warum das nicht geht im Moment, weiss unterdessen auch ein breiter Teil der Bevölkerung.
    Hört endlich mit diesen Politspielchen auf und fördert den ÖV und reguliert den Individualverkehr. Alles Palavern kostet viel mehr Geld und die Bevölkerung muss mit den aktuellen Missständen (wenigstens, mit denjenigen, die vorhanden sind. Vieles ist ja heute schon sehr gut in Zürich!) leben. Davon hat niemand was. Es braucht bei uns endlich einmal wieder Leute mit Mut in der Politik, die etwas anpacken und umsetzen, ganz egal, ob links, rechts oder grün!

  2. Ich bin froh, dass ein junger Grüner genauer hingeschaut hat. Die Pläne machen es sehr, deutlich: Die Verkehrsfläche für die Strasse nimmt eindeutig zu, v.a. dort wo es kritisch ist für die Kapazität, bei den Ein- und Ausfahrten. Bei 40 000 Fahrten pro Tag ist es weniger die Tempo-Reduktion als eine Flächenreduktion, die das Quartier bräuchten.

    2008 wird die Westumfahrung abgeschlossen, es wäre DIE Gelegenheit, diese Strasse zu redimensionieren. Würde das Tram auf Kosten einer MIV-Fahrtspur eingeführt, wäre ich sofort dafür. Nun wird es aber neben der Strasse gelegt und die MIV-Strassenfläche zusätzlich vergrössert und zudem als Autobahn zementiert und “aus der Hand gegeben”. Das ist skandalös für einen Ort an dem die höchsten PM10-Werte gemessen werden. Grüne Verkehrspolitik heisst nicht nicht nur Alleen und Trams bauen, sondern Wege aufzuzeigen, wie die Verkehrsströme von den zukünftigen Wohngebieten weggehalten werden können.

    Road Pricing steht jetzt sogar im Richtplan drin. Da müssten die Grünen, doch jetzt konsequenterweise sagen: Tram ja, aber als echte Umsteigeoption für die Autofahrer. Was die Stadt hier plant ist aber ein roter Teppich für alle. Und wer wird den roten Teppich nutzen? Es ist nicht wirklich lustig neben 50 000 Autos Velo zu fahren – da kann der Velo-Weg noch so hübsch geplant sein. Es ist heute schon nicht lustig über diese Strasse mit einem Kinderwagen zu gehen. Wird sie weiterhin verbreitert endsteht eine Schneise, an der es nur Bürobauten geben wird.

    Würden hier schon heute Leute wohnen, würde eine Stadt das dem Quartier nie zumuten. Der Protest wäre zu gross.

    Danke, Matthias, dass du da genauer hingeschaut hast und dich nicht vom “Sugus-Tram” hast blenden lassen.

  3. Bas sagt:

    Lieber David Herren,
    zur Autobahn: SN1.4.1 = Nationalstrasse 3. Klasse, dass wird von niemandem bestritten. Was eigentlich auch von niemandem bestritten wird, ist dass Nationalstrassen keine Erschliessungsstrassen sondern Durchgangsstrassen sind… Wohin wohl?
    Deshalb sollte die Pfingstweidstrasse zur Hauptstrasse abklassiert werden. Zwei durchgehende Autospuren + verlängerte Abbiegespuren ist nicht wirklich was ich unter einem “lebenswerterten Quartier” verstehe.

    Zu glauben, dass bei Ablehnung der Tram-Autobahn-Weisung nur die Autobahn kommt oder die Pfingstweidstrasse so bleibt wie sie ist, wäre nicht nur pessimistisch sondern inkonsistent. Der Druck das Pfingstweidquartier mit ÖV zu erschliessen und die Pfingstweidstrasse stadtverträglich zu gestalten wird bleiben. Wenn Rita Furrer sogar fürs Tram ist und das Tram wegen der Autobahn abgelehnt wird, kann Rita nicht einfach einen auf beleidigt machen und nur die Autobahn bauen. Wir leben hier in einer Demokratie und wenn die Ypsilon-Stadtautobahn nicht gebaut wurde, dann wegen der fehlenden Akzeptanz in der Bevölkerung. Rein rechtlich hätte die Ypsilon-Stadtautobahn auch ohne Zustimmung der Stadt Zürcher gebaut werden können, da es eben ein Nationalstrassenprojekt ist.

    Zur Eröffnung des Üetlibergtunnels: Wenn die Pfingstweidstrasse so gebaut wird wie das jetzt geplant ist, wird es eben keine Entlastung durch die Umfahung für den Kreis 5 geben, weil wegfallender Verkehr durch neuen Ziel- und Quellverkehr gefüllt wird. Deshalb würde man besser das Tram heute ablehnen, mit der Eröffnung des Üetlibergtunnels die jetzige Buslinie 54 zu einer Trolley-Linie aufpeppen und wenn die prognostizierte Nachfrage eintritt so etwa im 2020 den Trolley mit einem Tram ersetzten. Und zwar auf der bisherigen Strasse, ohne deren Verbreiterung wie das heute geplant ist!

    Schliesslich noch zum “Mut in der Politik”, wenn etwas keinen Mut braucht, dann ist es dieser Weisung zu zu stimmen. Ich würde sogar sagen, dass mit mehr Mut die Weisung von der ökologisch sensibilisierteren Ratsmehrheit zurückgewiesen worden wäre.

    Weitere Auführungen zum Ausbau der Pfingstweidstrasse und http://www.bastiengirod.ch/journal

    Beste Grüsse,
    Bastien Girod

  4. Oliver sagt:

    Liebe Freunde

    Gleich vorweg: Ich bin VCS-Mitglied, schon fast seit es den Verein gibt, und ich bin auch der Meinung, dass mehr Strassen mehr Verkehr erzeugen. Und ich wohne am Turbinenplatz und habe mir all die Pläne und Präsentationen genauestens angesehen.

    Und jetzt kommt meine grosse Verwunderung: Wieso seid ihr dagegen? Eine eindeutige Kapazitätsreduktion für Autos, viel frühere Bremsung auf 50, eine repräsentative Stadt-Allee statt der hässlichen Pfingstweid-Autobahn von jetzt. Ich kann wirklich nichts finden, das mich stört. David hat vollkommen recht.

    Klar, die alten Sünden, gegen die soll man antreten und ich hoffe auch, dass irgend wann die Hardbrücke mal verschwindet, aber sorry, 20 Jahre will ich darauf beim besten Willen nicht warten. Wir können jetzt einen schönen Schritt in die richtige Richtung machen, die Pläne sind ausgezeichnet. Ich hoffe, dass die schönen grünen Streifen zwischen Escher-Wyss-Platz und Altstetten-Nord in den vorgesehenen paar Jahren Realität werden.

    Gruss, Oliver

Hinterlasse eine Antwort