Geburtstag im Rat

13 Juni 2007 von Matthias Kommentieren »

Heute werde ich ein viertel Jahrhundert alt und wie es der Zufall so will, muss es ausgerechnet ein Mittwoch sein. So verbringe ich meinen Geburtstag halt im Gemeinderat und lass mir von allen die Hand schütteln. Zu Beginn der Sitzung hat mir Chritoph Hug, Gemeinderatspräsident von Zürich, ein kleines Geschenk überreicht. Vielen Dank an dieser Stelle an dich Christoph, die drei Flaschen Wein werden ihren Beitrag zu einem fröhlichen späteren Abend leisten…

Ein Geschenk der besonderen Sorte haben mir die Schweizer Demokraten (SD) gemacht. Dank ihnen dauert die Sitzung heute bis 22:00 statt wie geplant bis 20:00. Der Grund dafür ist, dass die Super Dummys (SD) sämtliche Bürgerrechtsgesuche auszählen lassen wollen. Es handelt sich um über hundert Gesuche. Normalerweise stimmen wir über alle Gesuche mit gleichen Anträgen und Ablehnungsanträgen gleichzeitig ab, es ist jedoch das Recht jedes Mitglieds des Rates, die Auszählung zu verlangen. Da die Super Dummys (SD) vor kurzem zurechtgewiesen wurden wegen ihrem unanständigen Vorstoss, möchten sie uns jetzt eine kleine Retourkutsche erteilen. Am Ausgang der Abstimmungen wird dies gar nichts ändern, der Unterschied ist bloss, dass wir so zwei Stunden länger brauchen werden. Naja, ich meinerseits habe auf halb neun im Tessinerkeller einen Tisch reserviert und dort werde ich auch hingehen zu dieser Zeit. Damit sich das Stimmverhältnis nicht ändert, suche ich mir noch ein SVP-Mitglied, dass auch früher gehen will. Die SVP lehnt ja bekanntlich jedes Gesuch ab und ich stimme jedem zu.

Zur allgemeinen Aufheiterung hat das Komitee, welches die Initiative lancierte, die die Bürgerrechtentscheide vom Gemeinderat an den Stadtrat delegieren will, in der Pause vor den Einbürgerungen einen Apéro zur Stärke organisiert.

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3 Kommentare

  1. Sam sagt:

    Wenn die Schweizer Demokraten ein solches Problem mit der Demokratie haben (schlechte Verlierer sind), dann ist es wohl schon in ihrem Interesse (Schwächung der Demokratie überall wos geht), möglichst allen Steine in den Weg zu werfen. Bravo SD. Wie dumm.

  2. Juan sagt:

    Ich empfinde den hier angewandten Sarkasmus als ein Zeichen von politischer Unreife. Die Parteien bei ihrem selbstgewählten Namen zu nennen und ihnen so – trotz offensichtlicher ideologischer Unterschiede – zumindest eine minimale Respekthaltung zu zeigen, die man als politischer Würdenträger, wie Du es bist, wäre angemessen.
    Übrigens: Demokratische Grundprozesse dienen ausschliesslich dem Schutz des Bürgers vor der willkürlichen Entscheidungsmacht von Politikern und nicht der Schikane politischer Wichtigtuer, die lieber die Sitzung verlassen, um an ein Abendessen zu gehen, als ihre Pflicht zu erfüllen. Ich frage mich ernsthaft, wozu Du Dich hast wählen lassen. Wenn das Allgemeinwohl nicht wichtiger ist, als Dein individuelles Partikularinteresse, dann bist Du offensichtlich zu Unrecht in Dein Amt gehoben worden. Einfach grotesk, dabei noch zu erwähnen, dass der SVP-Vertreter auch den Raum verliess und das Gleichgewicht somit ungestört war. Es würde Euch beiden gut tun, Euch die Verantwortung, die Ihr mit diesem Amt eingegangen seid, nochmals vor Augen zu führen. Klar, das würde unter Umständen für Dich heissen, dass Du Deinen Geburtstag leider erst am Wochenende mit Deinen Familienangehörigen, Freunden und Bekannten hättest feiern können, was natürlich absolut unzumutbar ist… Grundsätzlicht hätten an Deinem Geburtstag sämtliche Sitzungen abgesagt werden müssen. Man kann doch nicht erwarten, dass Du Dich wirklich um die Kommune kümmerst, oder?
    Hoffe, dass diese Phase politischer Pubertät bald überstanden ist und in allen politischen Lagern endlich wieder Menschen mit ausreichend Vernunft und Seriosität Einzug finden. Seid doch erst einmal Amtsträger, welche die Bezeichnung “Politiker” verdienen. Erst dann könnt Ihr Eure Ideologien glaubhaft vertreten.

  3. Matthias sagt:

    Jawohl, ich gebe hiemit offiziell zu, das es mit wichtiger wahr meinen Geburtstag zu feiern als 120 mal aufzustehen, für Geschäfte die schon im voraus klare Mehrheiten hatten (90 zu 30) und nur als Schikane der SD abgefertigt werden mussten. Es fragt sich hier durchaus, wer das System ausreizt? Mir persönlich geht es um die Sache und nur Sekundär um das wie. Für gwöhnlich bin ich immer die ganze Zeit anwesend, es finden ja auch differenzierte Diskussionen statt und es werden verschiedene wichtige Geschäfte erledigt. Aber diese letzte Debatte war von Anfang an eine Farce und wird es auch in Zukunft sein. Zum Glück werden die Bürgerrechtsentscheide schon bald nicht mehr im Gemeinderat behandelt werden müssen. Ich möchte nicht derjenige sein, der dem Steuerzahler erklähren muss, für was sein Geld hier gebraucht wird.

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