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Mut und fantasieloser Entscheid des Stadtrats

2 Februar 2011

Diese Mitteilung habe ich selbst verfasst, sie wurde soeben versandt. Der Stadtrat will unsere Initiative für ungültig erklären lassen. Das geht natürlich gar nicht!

Der Stadtrat von Zürich will die Flachdachinitiative der Jungen Grünen für ungültig erklären. Die Jungen Grünen hoffen nun auf mehr Mut in der Hochbau-Kommission des Gemeinderates und werden sich weiterhin dafür einsetzen, dass das Anliegen von über 3‘000 Unterzeichnenden den Stimmberechtigten unterbreitet wird. Die Differenzen in der juristischen Auslegung sind für die Jungen Grünen ein bedauerlicher und zeitraubender Nebenschauplatz.

Die Jungen Grünen sind enttäuscht über diesen mutlosen Entscheid des Stadtrates. Damit würde eine inhaltliche Debatte über die Flachdachinitiative verunmöglicht, welche nach Ansicht der Jungen Grünen wichtig wäre.

Darum geht es: der Inhalt der Initiative
Die Flachdachinitiative der Junge Grünen will, dass in Zukunft in der Stadt Zürich nur noch zwei Arten von Flachdachgestaltung zulässig sind: entweder eine begehbare Terrasse oder eine ökologisch wertvolle Begrünung und darauf, sofern der Standort geeignet ist, eine Solaranlage.
Schon 1998 zeigte eine Studie (Gutschner und Nowak, 1998, Das Photovoltaik-Potential im Gebäudepark der Stadt Zürich), dass 35% der gesamten Dachfläche von Zürich mit einem potentiell hohen bis sehr hohen Ertrag für die Energieproduktion durch Photovoltaikanlagen genutzt werden könnten. Dies ist eine enorme Fläche, welche heute nur wenig für die Produktion von Solarenergie genutzt wird. Würde man all diese geeigneten Flächen nutzen, so könnten rund 16% unseres Bedarfs an elektrischer Energie abgedeckt werden. Dabei leisten Flachdächer den weitaus grössten Beitrag an die sehr gut nutzbaren Flächen.
Die Initiative wurde im Sommer 2010 mit über 3000 gültigen Unterschriften dem Stadtrat übergeben. Weiter Infos zum Inhalt auf www.flachdachinitiative.ch

Der juristische Hintergrund
Den gesetzlichen Rahmen für Bauvorschriften legt der Kanton im Kantonalen Planungs- und Baugesetz (PBG) fest. Die Kompetenzen der Gemeinden für weitergehende Vorschriften sind im PGB wie folgt festgehalten.

§ 76 PBG
Die Bau- und Zonenordnung (der Gemeinde) kann die Erhaltung von näher bezeichneten Baumbeständen und deren Ersatz sowie zonen- oder gebietsweise angemessene Neupflanzungen und die Begrünung (…) von Flachdächern vorschreiben; (…)

Auch § 49 PBG: Abs. 1
Die Bau- und Zonenordnung kann die zulässige bauliche Grundstücknutzung durch Bestimmungen über die Ausnützung, die Bauweise und die Nutzweise näher ordnen. sowie § 49 PBG: Abs. 2 Soweit für die einzelnen Zonenarten nichts Abweichendes bestimmt ist, sind Regelungen gestattet über:

d. die Dachgestaltung
e. Anordnungen zur Erleichterung der Nutzung von Sonnenenergie

Der Kanton genehmigt den Gemeinden also explizit, die Dachgestaltung selber zu regeln. Aus Sicht der Jungen Grünen ist eine Dachbegrünung, eine Terrasse oder eine Solarenergieanlage klar als Dachgestaltung zu verstehen – der Stadtrat dagegen verneint dies.

Haltung der Jungen Grünen
Die Jungen Grünen sind vor diesem Hintergrund der Meinung, dass die Initiative zum übergeordneten Recht konform ausgelegt werden kann. Wenn bei Gesetzen ein Inter-pretationsspielraum besteht, wäre es allenfalls Aufgabe von Gerichten und nicht der politischen Instanzen. Sollte der Gemeinderat dem Antrag des Stadtrats auf Ungültigkeitserklärung folgen, müssten die Jungen Grünen allenfalls selber den juristischen Weg prüfen und damit die Hausaufgaben des Stadtrates machen. Die Jungen Grünen bedauern, dass der Stadtrat angesichts dieser Ausgangslage nicht von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hat, dem Parlament einen Gegenvorschlag zu präsentieren, der die unbestrittenen Anliegen aufgenommen hätte. Dies wäre in Anbetracht der über 3000 gültigen Unterschriften auch ein Zeichen des Respekts vor dem Willen der Unterzeichnenden gewesen. Inhaltlich scheint ja das Anliegen selbst auch in Anbetracht des in der Gemeindeordnung festgelegten Ziels der 2000 Watt Gesellschaft nicht umstritten zu sein.

Vor diesen Hintergrund empfinden die Junge Grünen die Reaktion des Stadtrates als fantasielos. Sie hoffen nun auf mehr Mut in der zuständigen Hochbau-Kommission des Gemeinderates und werden sich weiterhin dafür einsetzen, dass ihr Anliegen den Stimmberechtigten unterbreitet werden kann.

Pilotversuch wissenschaftlich begeleitet legaler Cannabis Verkauf in Zürich

16 Juni 2010

Heute haben wir im Rat ein 4-jähriges Postulat von mir und Bastin Girod überwiesen mit folgender Forderung:

Der Stadtrat wird gebeten zu prüfen, wie folgende Massnahmen umzusetzen sind:
1.In Form eines wissenschaftlich begleiteten Pilotversuches wird in der Stadt Zürich der kontrollierte Verkauf von Cannabis eingeführt.
2.Im Rahmen seiner Präventionsbemühungen erarbeitet der Stadtrat mit den Schulen und den Fachorganisationen eine Strategie zur Aufklärung und Beratung von Jugendlichen. Im Vordergrund steht dabei nicht das gescheiterte Ziel der Abstinenz, sondern die pragmatische Vermittlung der belegbaren Gefahren eines übermässigen Konsum von Rauschmitteln – welcher Art auch immer – auf das schulische Fortkommen und die Gesundheit.
3.Der Stadtrat erstattet dem Gemeinderat regelmässig Bericht über die getroffenen Massnahmen und ihre Auswirkungen.

Begründung:
Das Verbot des Cannabiskonsums ist Ausdruck einer blockierten schweizerischen Drogenpolitik und kriminailisiert tausende von Menschen, statt sie zu vernünftigem Genusskonsum zu leiten. Diese verkehrte Politik kostet viel Geld, welche besser für die Prävention ausgegeben würde. Die Städte sind von dieser fehlgeleiteten Politik besonders betroffen. Die Stadt Zürich stand stets als eine Pionierin für eine fortschrittliche Drogenpolitik ein, deshalb soltte sie sich auch vermehrt für einen vernünftigen Umgang mit dem Cannabiskonsum einsetzen.

Der kontrollierte Verkauf von Cannabis erlaubt einen effektiven Jugendschutz, gezielte Information der Cannabiskonsumentlnnen und eine Qualitätskontrolle. Zudem verhindert der kontrollierte Verkauf die Vermischung von weichen und harten Drogen und der Cannabis-Schwarzmarkt könnte ausgeschaltet werden.

Der Gemeinderat der Stadt Bern will Möglichkeiten und Rahmenbedingungen eines wissenschaftlich begleiteten Pilotversuch zum kontrollierten Verkauf von Hanf prüfen. Die Stadt Zürich sollte sich an diesen Projekten beteiligen, um Wissen und Erfahrungen für einen vernünftigen Umgang mit dem Cannabiskonsum zu erlangen und eine Entkriminalisierung des Cannabiskonsums zu erreichen.

Eine fundierte Aufklärung der Jugendlichen über einen vernünftigen Umgang mit dieser weichen Droge, die sich aber nicht am realitätsfernen Ziel der Abstinenz orientiert, wäre aber von grosser Bedeutung.

Der Einsatz für eine offenere Hanfpolitik ist schliesslich auch ein Einsatz für die Entkriminalisierung von vielen Zürcherinnen und Zürchern und ihren BesucherInnen und sollte deshalb vom Stadtrat engagiert vorangetrieben werden.

Berichte Tagi (alt) und 10 vor 10
Ich bin gespannt wie es weiter geht mit der verbohrten Drogenpolitik der Schweiz…

Autonome Schule Zürich von Polizei geräumt

8 Januar 2010

Medienmitteilung der Autonomen Schule Zürich (ASZ) und des Vereins “Bildung für Alle” zur Räumung des Schulhauses Allenmoos II

Gestern Morgen, 7. Januar 2010, um 9:00 Uhr wurde im Rahmen einer polizeilichen „Bildungsoffensive“ das Schulhaus der Autonomen Schule Zürich (ASZ) an der Ringstrasse 57 in Zürich Unterstrass unangekündigt und gewaltsam geräumt. Ein Grossaufgebot von circa 30 Polizisten, zum Teil in voller Kampfmontur, drang in das Gebäude ein, umstellte es anschliessend und sperrte das Gelände ab. Ein Abrisskommando räumte das Gebäude aus und demontierte die Fenster des Pavillons. Verhaftungen fanden keine statt. Innert kürzester Zeit versammelten sich vor dem abgesperrten Gebäude Dutzende Sympathisanten, weitere Polizisten und Medienvertreter.

Mit dieser repressiven Aktion wird ein autonomes Bildungsprojekt schwer beeinträchtigt, ein Projekt, das nicht etwa der Selbstverwirklichung Einzelner diente, sondern der gesamten Bevölkerung offen stand. Seit Sommer fanden im besetzen Schulhaus Kurse zu verschiedensten Themen statt: u. a. Informatikkurse, Nachhilfeunterricht, philosophische Seminare. Auch dem Verein Bildung für Alle, der Deutschkurse für illegalisierte MigrantInnen (Sans-Papiers) und Asylsuchende anbietet, diente die ASZ als Dach.

Wir verurteilen das Vorgehen der Stadt und Polizei in aller Form. Die unangekündigte Aktion ist unverhältnismässig und in keiner Weise gerechtfertigt. Die Stadt Zürich und die Polizei begründete ihr Vorgehen mit der mangelnden Kooperation seitens der BesetzerInnen und einem damit zusammenhängenden Zwischenfall mit einer illegal verlegten Stromzuleitung. Die ASZ sei nicht bereit gewesen, eine geregelte Strominstallation und den Stromverbrauch zu bezahlen.

Die Behauptungen und Vorwürfe der Behörden entsprechen nicht der Wahrheit. Seit Beginn der Besetzung im April 2009 stand die ASZ mit der Stadt Zürich betreffend Wasser- und Stromzufuhr in Kontakt. Nach einigen Abklärungen wurde schnell klar, dass eine Wasserzuleitung nicht realisierbar ist, eine Stromzuleitung mittels Provisorium allerdings schon. Von Anfang an kommunizierten die BesetzerInnen klar und deutlich ihre Bereitschaft, für die provisorische Installation sowie für den gesamten Stromverbrauch aufzukommen. Im September 2009 sicherte die Stadt Zürich eine provisorische Stromzuleitung zu. Leider blieb es bei der Zusage und nichts passierte, trotz mehrfacher Kontaktaufnahmen und Terminangeboten der ASZ. Dies ist durch unseren Mailverkehr mit dem Hochbaudeparement, den wir der Presse gerne zur Verfügung stellen, eindeutig belegbar.

Aufgrund dieser eindeutigen Obstruktionspolitik sahen sich einige BesetzerInnen dazu veranlasst, sich mit einer eigenen Stromzuleitung zu versorgen. Denn eine minimale Stromversorgung ist für die Aufrechterhaltung eines Schulbetriebs unbedingt notwendig, gerade im Winter. Im Dunkeln kann man nicht lernen. Die bereits installierten Generatoren und Solarpanels reichten für den Notfall, konnten aber keine dauerhafte Lösung sein.

Leider ereignete sich im Zusammenhang mit der verlegten Stromleitung kurz vor Weihnachten ein höchst bedauerlicher Unfall, für den sich die ASZ umgehend bei allen Betroffenen entschuldigte: Eine mangelhaft isolierte Stelle fügte dem Hauswart einen Stromschlag zu, der zum Glück keine gesundheitlichen Folgen mit sich brachte. Aufgrund dieses Vorfalls versuchte das Hochbaudepartement die längst gefällte Entscheidung für eine offizielle Stromzufuhr zusammen mit den BesetzerInnen zu forcieren. Doch trotz offizieller Abmachungen und allgemeinem Konsens zwischen Hochbaudepartement und ASZ weigerte sich das EWZ aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen, das benötigte Material zur Verfügung zu stellen. Aufgrund grösstem Unverständnis gegenüber dieser, aus der Sicht der BesetzerInnen bewussten Verweigerungstaktik wurde eine erneute Stromleitung gelegt. Die Installation war einwandfrei. Für niemanden bestand je eine Gefahr. Aus Sicherheitsgründen bestand also keinerlei Anlass zu einer Räumung

Dass die Räumung aus Sicherheitsgründen erfolgt sei, scheint uns nicht viel mehr als ein Vorwand zu sein. Die Aktion, die den Steuerzahler schätzungsweise 500‘000 SFr. kosten wird, steht vielmehr im Kontext einer in diesem Ausmass neuen Repression gegenüber der Zürcher HausbesetzerInnenszene. Waren wir zu erfolgreich? 80-120 Flüchtlinge besuchten allein die Deutschkurse, daneben fanden weitere Kurse statt. Nächsten Montag ist der Start der Frühjahrskurse, mit ausgebautem Angebot. Ob, wie und wo diese stattfinden können, ist zurzeit völlig offen. Falls die Kurse nicht weitergeführt werden können, geht für zahlreiche Sans-Papiers und Asylsuchende die einzige Bildungsmöglichkeit verloren, die ihnen zur Verfügung stand. Die Autonome Schule war für viele von ihnen eine Heimat, ein Ort, wo sie ihr Leben selbst gestalten und bestimmen konnten. Dieser Ort wurde heute von der Polizei zerstört.

Freestyle und mein kleiner Ausschwenker

11 Dezember 2009

Nun ist es mir doch auch mal passiert: Ich habe gegen meine Fraktion gestimmt und einen Entscheid gekippt. Es ging um den Sponsoringbeitrag der Stadt Zürich für das Freestyle. Die Stadt Zürich will einen Sponsoringvertrag mit dem Freestyle abschliessen über rund 160’000 Franken. AL, Grüne und SVP wollten diesen Beitrag kürzen, u.a. wegen ökologischen Defiziten des Anlasses. Nun, ich sehe das nicht ganz so eng, denn auch das Freestyle bemüht sich um Besserung, doch was meiner Meinung nach viel schwerer wiegt, ist die soziale Aufgabe dieses Anlasses. Die angesprochene Szene funktioniert nun mal über Vorbilder, auch internationale, die wegen dem Freestyle auch einmal im Jahr in Zürich auftreten. Hier kann eine riesige Szene erreicht werden, die sonst sträflich vernachlässigt wird von der Stadt.
So hab ich mir erlaubt, für einmal anders zu stimmen als die Grüne Fraktion, natürlich nach Ankündigung an einer Fraktionssitzung. Zufällig hat dann meine Stimme aber gerade den Ausschlag gegeben, respektive hat 60 zu 58 statt 59 zu 59 bewirkt. Nun ja, genau genommen gab meine Stimme doch nicht den Ausschlag, denn bei Gleichstand hätte der Ratspräsident, in diesem Falle Röbi Schönbächler, auch für den Kredit gestimmt.
Ich bin jedenfalls froh, dass die Stadt Zürich weiterhin das Freestyle über Sponsoring unterstützt, der Anlass hat das verdient!

Hilfe für Gaza

21 Januar 2009

Der Gemeinderat hat im Hauruckverfahren soeben 100’000.- CHF humanitäre Hilfe für den Gazastreifen bewilligt. Das ist möglich, ohne Referendumsfrist, wenn 4/5 der Ratsmitglieder zustimmen. Da die einzige Partei, die ablehnte (die SVP) nicht vollzählig war, wurde das Mehr knapp erreicht.
Der Betrag entspricht zwar nur einem 600’000stel der Soforthilfe für die UBS, aber immerhin. Ich bin für einmal stolz auf meine Ratskolleginnen und Ratskollegen.

Fichen in Zürich

19 November 2008

Heute hat sich der Gemeinderat der Stadt Zürich selbst verraten…
In Zukunft werden in der Stadt Zürich wieder fleissig Fichen geschrieben. Eine passende Weisung dazu wurde unter grossem Protest der Grünen unter Namensaufruf verabschiedet. Erstaunlich dabei, wir kämpften auf verlorenem Posten mit einigen Abtrünnigen SP’lern der AL und der SVP. Wir stimmten zuerst über Nicheintreten, dann über die Anträge aus der Kommission und zuletzt über die Weisung selbst ab. Hier das Stimmverhältnis der Fast-Schlussabstimmung*.
Ja-Stimmen: 74
Nein-Stimmen: 44
Enthaltungen: 0
Sämtliche Namen der Befürworter finden sich im Protokoll wieder.

*Die Vorlage wird jetzt noch von der Redaktionskommission bereinigt.

Tortur im Gemeinderat

5 Dezember 2007

Die Gemeinderatssitzung ist heute für mich persönlich eine besondere Tortur. Heute Morgen habe ich auf der rechten Seite die beiden Weisheitszähne ziehen lassen. Trotzdem nehme ich meine Pflicht als Parlamentarier wahr und vertrete heute meine Anträge für eine der letzten Bürgerrechtssitzungen. Lustigerweise findet zuerst noch eine längere Debatte über Drogenabstinenz statt, welcher ich, vollgepumpt mit Ponstan, mit einem kleinen Schmunzeln beiwohne. Ponstan ist ein Standardschmerzmittel, das man nach Operationen einnimmt.

Zum Glück dauert das Prozedere heute nicht allzulange und ich bin froh, dass ich mich schon bald wider hinlegen kann…

Kleine Anekdote zum Schluss. Als Reaktion auf die lustige Situation bei den letzten Einbürgerungen, hat heute der Ratspräsident Christoph Hug (Grüne) das fotografieren im Ratssaal gestattet. Ich habe natürlich gleich die Handykamera gezückt und und ein Foto geschossen. Sofern ich es hinkriege folgt es später auf diesem Blog.

Bürgerrechtserteilung durch den Stadtrat, Weisung 72

6 Juni 2007

Endlich ist mein Laptop wieder in Betrieb und ich freue mich, hier über ein wichtiges Geschäft aus meiner Kommission, welches jetzt im Rat behandelt wird und dann in eine Volksabstimmung gehen wird, schreiben zu dürfen.

Wir reden heute über die Weisung 72. Es geht darum, dass die Zuständigkeit für die Einbürgerungen vom Gemeinderat weggeht und beim Stadtrat, wo sie auch schon ist, bleibt.

Die Debatte ist wie nicht anders zu erwarten war etwas irrsinnig, aber es wird sehr schön klar, welche Parteien wo stehen. Vielleicht vorab – für die Praxisänderung stehen: die Grünen, welche auch Auslöser der Weisung sind, die SP, AL, und CVP. Dagegen sind: Die FDP, EVP, SD und SVP.
Die Situation zur Zeit ist absurd. Eine Kommission des Gemeinderats, die BRK, prüft sämtliche Gesuche nochmals nach und entscheidet nochmals über das gleiche wie die Verwaltung und der Stadtrat. Die Entscheidungen im Gemeinderat sind politisch und werden von der linken bis hin zur Mitte getragen. Zu 99.9% stimmen wir dasselbe im Gemeinderat wie in der Verwaltung. Die SVP erachtet das ganze jedoch als Spiel und macht sich einen Spass daraus, jeweils an den Haaren herbeigezogene Ablehnungsgründe vorzuweisen und lehnt sämtliche Gesuche ab zusammen mit der SD.
Damit soll jetzt endlich Schluss sein. Wir fordern das dieses Geschäft dem Gemeinderat, einer politischen Behörde, weggenommen wird und in der Verwaltung bleibt. Die Gesuche werden sowieso noch auf Kantons- und Bundesebene nachbehandelt.

Das Politische an den Einbürgerungen sind die Richtlinien und nicht die Behandlung von Gesuchen!

Da die Diskussion nicht viel hergibt, werde ich hier noch die Fraktionserklärung der Grünen zum Thema abdrucken, die ich gehalten habe und welche von Christoph Hug verfasst wurde:

Keine Willkür, dafür mehr Effizienz und Würde bei den Einbürgerungen

Die Übertragung der Zuständigkeit für Einbürgerungen vom Gemeinderat an den Stadtrat ist ein langjähriges Anliegen der Grünen. Es geht bei diesem Geschäft nicht um eine Erleichterung von Einbürgerungen. Es geht vielmehr um die rechtsstaatliche Qualität der Entscheide, um eine verbesserte Effizienz sowie um die Würde der Gesuchstellenden wie auch des Gemeinderates.

Das Einbürgerungsverfahren ist ein reiner Verwaltungsakt. Dies ist nicht nur die Meinung der Grünen oder des Stadtrates, sondern diese Aussage beruht auf einem Urteil des Bundesgerichtes, der höchsten gerichtlichen Instanz unseres Landes. Es geht bei Einbürgerungen lediglich darum festzustellen, ob alle Aufnahmekriterien erfüllt sind, um dann den entsprechenden Entscheid zu fällen. Der Entscheidungsspielraum ist klein und er wird mit dem neuen kantonalen Einbürgerungsgesetz in naher Zukunft noch kleiner werden.

Angesichts dieser Tatsachen ist es unhaltbar, wenn über Einbürgerungsgesuche im Parlament durch Zufallsresultate entschieden wird. Zur Zeit sind die Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat zwar meist eindeutig, was Einbürgerungsentscheide betrifft. Es ist jedoch schon zahlreiche Male vorgekommen dass die Zahl der Absenzen auf der einen oder anderen Ratsseite den Ausschlag für Zustimmung oder Ablehnung gegeben hat. Es ist rechtsstaatlich unhaltbar und grenzt an Willkür, wenn gewissermassen ein Grippevirus über Einbürgerungsgesuche entscheidet.

Der Gemeinderat von Zürich leidet seit Jahren unter einer überlangen Traktandenliste und einer Geschäftslast, die ihn kaum je zur Behandlung von persönlichen Vorstössen gelangen lässt. Es ist angesichts dieser Tatsache widersinnig, dass Einbürgerungen als einzige Tätigkeit der Verwaltung im Massstab 1:1 durch den Gemeinderat nachvollzogen werden. Ähnlich absurd wäre es, wenn der Gemeinderat jedes einzelne durch den Stadtrat erteilte Baugesuch nachbehandeln würde. Dies gilt insbesondere, wenn man bedenkt, dass die Zahl der Fälle, in welchen der Gemeinderat einen Einbürgerungsentscheid des Stadtrates umstösst, sich im langjährigen Durchschnitt im tiefen einstelligen Promillebereich bewegt. Nach Ansicht der Grünen ist es unter diesen Umständen unverhältnismässig, für Einbürgerungen einen Achtel der Sitzungsdauer des Gemeinderates zu opfern.

Zu diesen harten Fakten kommt hinzu, dass es dem Gemeinderat seit vielen Jahren nicht gelingt, die Einbürgerungen in einem würdigen Rahmen stattfinden zu lassen. Mangelnde Aufmerksamkeit, Gespräche mit Sitznachbarn, Zeitungslektüre, Beschäftigung mit Handy oder Laptop mögen heute zu mehr oder weniger akzeptierten Gewohnheiten im Ratsbetrieb gehören, für die Gesuchstellenden auf der Tribüne, für die es um etwas sehr wichtiges und persönliches geht, sind sie eine Zumutung. Die Qualität der Argumente, die Tiefe der inhaltlichen Auseinandersetzung, die schnelle Abfolge von Abstimmungen und weiteres mehr führen dazu, dass zahlreiche Ratsmitglieder den Sitzungsverlauf als reine Farce empfinden.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass sich Einbürgerungen aus zahlreichen Gründen nicht für die Behandlung durch ein Parlament oder eine Gemeindeversammlung eignen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass immer mehr Gemeinden in- und ausserhalb des Kantons Zürich diese Aufgabe an die Exekutive übertragen. Die Stadt Zürich sollte mit der Zeit gehen und dies auch tun.

Unterwegs in heikler Mission

23 Mai 2007

Heute war in Zürich eine Delegation aus China zu Besuch, welche unser demokratisches System anschauen wollten. Dies haben sie auch getan. Auch präsent war eine Delegation Tibeter, welche in Form eines Schulunterrichtes eine kleine Lektion in Menschenrechten erteilten. Ich selbst stand mit der Delegation aus Tibet in Kontakt, da sie ursprünglich ihr Geschenk und den Schulunterricht im Ratshaus machen wollten. Ich hätte ihnen dann die Geschenke ins Ratshaus gebracht. Es kam dann jedoch alles anders. Die Chinesen kamen schon früher aus dem Ratshaus, wo sie eine Führung genossen, als geplant und die Tibeter mussten spontan vor dem Ratshaus die Geschenke überreichen. Ich meinerseits versuchte die Chinesen noch kurz aufzuhalten, was auch gelang, sie dachten wohl das sei ein offizieller Termin für ein Fotoshooting. Sie standen schön artig um die Kamera und schauten auf das Flipchart, bis dann dort nach den ersten Zeilen über Demokratie und Menschenrechte ein “Free Tibet” erschien. Die einen hatten bereits ein Geschenk in der Hand, alle anderen verliessen etwas sauer das Terrain. Ich verteilte den Journalisten dann noch die Hintergrundinformationen sowie eine Medienmitteilung zum Thema.

Arbeitsintegration, Neuausrichtung im Sozialdepartement

21 März 2007

Es steht eine laaaaaange Debatte über den Bericht aus dem Sozialdepartement an. Monika Stocker setzt jeden Hebel in Gang, um die Zahl der Personen die Fürsorgeleistungen beziehen zu reduzieren und die Bezüger wider in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Der Bericht kann vom Rat zur Kenntnis genommen werden, zustimmend oder ablehnend. Die SVP läuft natürlich Sturm, sie sieht nur Missbrauch vor Augen, Lösungen bietet sie aber keine. Es geht im Bericht um die neuen niederschwelligen Arbeitsplätze. Die Frage ist: Was haben die Angebote bisher gebracht? wie wirken sie sich auf Fallzahlen aus? wieso übernimmt die Wirtschaft nicht die Verantwortung? Das Thema ist heiss und das Dilemma gross. Die Aufgabe ist schwer. Die Schuldigen sehen alle woanders.

Hier einige kleine Details aus den Reden:
Liebi (SVP) behauptet ernstens, die Leute in der Schweiz werden nurüber 65, weil sie dann eine grosse AHV bekommen.
Garzotto (SVP) sieht die Arbeitsplätze dank den Bilateralen ins Ausland verschwinden.
Dominic Feuillet SP) lobt Monika Stocker für ihr starkes Engagement und findet jeder hat ein Anrecht auf Arbeit.
Pascal Pauli (Jungegrüne) findet es wichtig, dass der Mensch im Zentrum steht. Er verlangt eine breitere Sichtweise der ganzen Problematik und fordert ein Umdenken, in der Arbeitswelt. Das Kleindenken der einzelnen Personen auf unserem lokalen Teppich findet er überholt. Es handelt sich um eine Bedarfsgerechte Massnahme die jetzt umgesetzt werden muss.
Thomas Martaler (SP) stellt fest, dass es viel teurer wird, wenn die Leute nicht am Projekt teilnehmen.
Anja Recher (AL) weiss das viele der Ausgesteuerten eigentlich sehr gut Ausgebildet sind, aber einfach keine Arbeit finden. Sie erwähnt, dass viele ihrer Kollegen, die einen Universitätabschluss haben nur ein Praktikum machen können, weil sie keinen Job finden.
Monika Stocker (Stadträtin Grüne) Begründet die Teillohnjobs, da die Menschen Chancen brauchen auf dem Arbeitsmarkt. Es haben sich gute Kooperation ergeben, die Mehrwert schaffen, aber nicht die Wirtschaft konturenzieren. Es geht ihr aber primär darum, dass es für möglichst viele eine Tagesstruktur gibt und einen Arbeitsvertrag. Sie dankt der SP, Günen und CVP für die Unterstützung. sie bemängelt, dass niemand eine Alternative aufzeigt, aber nur kritisiert. Sie hat die Verantwortung für 3000 Personen, die jetzt Unterstützung brauchen. Sie führt aus, dass viele Stimmen aus der Wirtschaft, die neuen Pläne des Sozialdepartement begrüssen, will aber vorallem eines: Vorwärtsmachen, denn jetzt haben wir Hochkonjunktur, beste Zeit zum Lösungsorientiert vorwärtsmachen.
Die Al mokiert, dass das Parlament nur zum Bericht nicken kann, aber nicht Ja oder Nein sagen kann.

wir stimmen über jede Ziffer ab, es bricht ein kleines organisatorisches Chaos aus, da die Minderheiten AL und SVP nicht wissen, was sie wo stimmen müssen. Schlussendlich wird die Weisung mit Stimmen der Grünen, Jungengrünen, SP, CVP und EVP gegen die SVP und AL überwiesen. mit 85 zu 28 Stimmen wird zugestimmt.